Hilfe bei der Studienarbeit

Seit dem Skandal um Karl-Theodor zu Guttenberg ist das Thema virulent: Welche Hilfestellungen sind bei einer wissenschaftlichen Arbeit erlaubt? Die gute Nachricht ist: Ein Lektorat ist grundsätzlich zulässig.

Was genau ist ein Lektorat?

Ein Lektor prüft einen Text auf Richtigkeit. Dabei korrigiert er Rechtschreibfehler, Fehler bei der Zeichensetzung und Grammatikfehler sowie einheitliche Schreibweisen, Stilblüten und Wortwiederholungen. Anders als die automatische Rechtschreibprüfung achtet er dabei auch auf Unstimmigkeiten, die ein Programm nicht als Fehler erkennt, weil diese formal korrekt sind. Eine Rechtschreibprüfung unterscheidet beispielsweise nicht zwischen Bigband und Big Band. Beides ist laut Duden korrekt. In einem Text sollte sich der Autor aber für eine Schreibweise entscheiden. Tut er dies nicht, streicht der Lektor den Unterschied an. Während solche nicht einheitlichen Schreibweisen nur den Lesefluss behindern, wirken Stilblüten unfreiwillig komisch. “Papst Benedikt sprach vor 10000 Gläubigern.” Die Rechtschreibprüfung findet das völlig in Ordnung, aber man darf davon ausgehen, dass der Papst nicht vor 10000 Menschen, denen er Geld schuldet, gesprochen hat. Gemeint sind hier natürlich Gläubige.

Die Arbeit eines Lektors geht aber weiter. Er achtet auch auf die inhaltliche Richtigkeit: “Das französische Madrid ist eine wundervolle Stadt.” Madrid ist vermutlich wirklich eine schöne Stadt, aber sie ist ganz sicher nicht französisch. Besonders bei wissenschaftlichen Arbeiten prüft ein Lektor auch die Stimmigkeit der Gliederung. Ist sie logisch und nachvollziehbar? Wurden die allgemeinen Normen bzw. die Vorgaben des Dozenten für die Benummerung eingehalten?

Ein Lektor, der z.B. mit dem Lektorat einer Bachelorarbeit betraut ist, blickt kritisch auf das Layout. Wurden die Absatz- und Zeichenformate stringent angewandt? Sind die Literaturangaben in den Fußnoten korrekt und einheitlich aufgebaut? Letztendlich prüft der Lektor auch Kongruenzen: Beginnt das Kapitel auf der Seite, die im Inhaltsverzeichnis angegeben ist? Führen die Querverweise an die richtige Stelle?

Vier-Augen-Prinzip

Es ist nicht nur zulässig, sondern auch dringend empfehlenswert, einen so wichtigen Text wie die Bachelorarbeit lektorieren zu lassen. “Vier Augen sehen mehr als zwei” gilt bei eigenen Texten ganz besonders, denn der Verfasser sieht Fehler, die sich etwa bei Umformulierungen ergeben, einfach nicht mehr. Da er mit dem Text sehr vertraut ist, liest er das, was dort stehen soll, und nicht das, was wirklich dort steht. Ein Lektor liest hingegen unvoreingenommen. Voraussetzung für seine erfolgreiche Arbeit ist, dass er sich mit den wissenschaftlichen Formalien und mit dem Thema einigermaßen auskennt. Ebenso ist wichtig, dass er keine Angst davor hat, Fehler anzumerken – auch wenn es viele sind und der Text dann zwischenzeitlich wüst aussieht. Es ist immer besser, wenn etwa der Studienkollege auf Fehler aufmerksam macht, bevor der Dozent sie anstreicht.

Bis hierher und nicht weiter

Es gibt aber durchaus auch eine Grenze für die Arbeit eines Lektors. Sie ist dann erreicht, wenn er ganze Textpassagen anstreicht und womöglich durch eigenen Text ersetzt. Das wäre dann eine unzulässige fremde Hilfe, die die gesamte Arbeit gefährden kann und als Verstoß gegen die wissenschaftliche Redlichkeit geahndet wird.

Das letzte Wort

Die Verantwortung für die Arbeit liegt beim Verfasser. Er muss die Anmerkungen des Lektors kritisch überdenken und entscheiden, ob er den Anregungen folgen will oder nicht. Der Verfasser hat hier das letzte Wort.

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